Kilian Müller



Sehnsucht, Wahnsinn und Gesellschaft

Jugend ist immer auch eine Zeit intensiver Sehnsucht: Die Sehnsucht nach dem Guten, Schönen und Wahren. Egal ob Punks, Emos oder Dragqueens; alle Subkulturen eint der Wunsch nach einem anderen, radikalen und besseren Leben.

Meist geht damit eine Ablehnung der eigenen sozialen Umwelt einher. Die spiessigen Eltern, die langweilige und autoritäre Schule oder die beschränkten Mitmenschen scheinen kaum dem zu entsprechen, was man als junger Mensch für ein gutes Leben halten mag. Das Leiden an den eigenen Lebensumständen birgt immer schon den Wunsch nach einem Anderen, einem utopischen Ort der Sehnsucht.

Sehnsucht ist natürlich nicht auf die Zeit der Jugend beschränkt, sondern zieht sich über das gesamte Leben hinweg. Die Suche nach dem guten Leben endet nicht mit 20, sondern nimmt nur andere, mitunter sogar radikalere Gestalt an.

Der Rückzug ins Private scheint hierbei der Königsweg, den sich Sehnsucht bahnt: Die Kneipe, der Schrebergarten oder der heimische Kegelverein versprechen kurze Stunden privaten Glücks, die für die anhaltende Tristesse des Alltags entschädigen sollen.
Angesichts der fast schon als pathologisch zu bezeichnenden ästhetischen Formen, die diese vordergründig „normalen“ gesellschaftlichen Rückzugsorte auszeichnet, drängt sich die Frage auf, wer oder was hier eigentlich “”falsch”" ist – sind wir es oder die Bedingungen, unter denen wir leben?”

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